Kreativität PDF Drucken
Montag, den 02. Februar 2009 um 01:00 Uhr

Kreativität bezeichnet die Fähigkeit schöpferischen Denkens und Handelns. Ursprünglich wurde der Begriff Kreativität als Bezeichnung für die Ursache persönlicher geistiger Schöpfungen (Urheberrechtsgesetz) von Künstlern verwendet. In jüngerer Vergangenheit wurde diese menschliche Fähigkeit vermehrt zum Gegenstand des Interesses von Wirtschaft und Wissenschaft. Die Erforschung kreativer Prozesse und ihre Beherrschbarkeit und Berechenbarkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung.

 

Forschungsgeschichte der Kreativität

Von der Antike bis zum Mittelalter wurde die individuelle schöpferische Kraft eines Menschen als Gottes Werk verstanden. In der Periode des Sturm und Drang entstand der Geniebegriff aus der antiken Vorstellung der Führung durch einen Genius.

Etwa um 1890 beschäftigte sich Sir Francis Galton zum ersten Mal mit der „schöpferischen Begabung“ als Konstrukt und versuchte, diesen Begriff zu definieren. [1].

Die Intelligenzforschung tat sich anfangs sehr schwer mit der Erforschung der Kreativität, da Kreativität sich nicht so leicht wie die rationale Intelligenz messen und als Intelligenzquotient ausweisen lässt. Es zeigte sich auch bald, dass die Kreativität eines Menschen keineswegs mit seinem IQ korreliert. Beispielsweise können Lernbehinderte und sogar schwer Geisteskranke künstlerisch außerordentlich kreativ sein. Andererseits gibt es hochintelligente Menschen, deren Kreativität sich auf dem Niveau eines Kleinkindes bewegt. Beide Intelligenzen - die kreative und die intellektuelle - können sich sogar gegenläufig entwickeln, in der Regel ergänzen sie sich aber. Erst 1907 wurden erste psychologische Grundlagen für sinnvolle Intelligenzmessungen von Angell erarbeitet und später durch behavioristische Forschungen erweitert [2]. Um 1921 leistete Louis Terman seine ersten Untersuchungen in Bezug auf die intellektuelle Leistungsfähigkeit von Individuen [3]. Robert S. Woodworth, der 1929 das SOR-Paradigma entwickelte, stellte heraus, dass der einzelne Organismus und dessen Zustand ein wichtiger Bestimmungsfaktor für die Entwicklung der Kreativität ist. Seine neo-behavioristischen Ansätze in der Denk- und Persönlichkeitspsychologie erreichten 1934 ihren Höhepunkt [4].

Ab 1950 befasste sich Joy Paul Guilford intensiv mit dem Thema Kreativität. Dabei kam er zu der Annahme, dass Kreativität durch vier grundlegende psychische Merkmale definiert wird. Er nannte seine Entdeckung auch das "divergent thinking"[5]. Er steuerte weitere Aspekte wie sozioökonomische, wissenschaftliche und pädagogische Gesichtspunkte in Bezug auf die Möglichkeiten einer Definition von Kreativität bei, und schuf somit zum ersten Mal die Grundlage zur Messung kreativer individueller Problemlösungen.

Auch bedeutende Wissenschaftler wie Stein (1953), Drevdahl (1956) und Edward De Bono (1957) versuchten, Kreativität zu definieren, um sie messbar zu machen. De Bono prägte unter anderem den Begriff des "lateral thinking", der in der deutschen Sprache als Begriff des "Querdenkens" in die Fachsprache der Psychologie Einzug hielt [6].

1962 wurde der Versuch von Getzel und Jackson unternommen, Kriterien festzulegen, die den kreativen Menschen als solchen erkennbar machen sollten. Dabei legten sie vier Hauptmerkmale fest, die sie als kreative, intelligente, moralische und psychologische Fähigkeiten bezeichneten [7]. Auch McKinnon (1962) und Barron (1965) gingen daran, Kreativität zu definieren [8]. Dabei definierte McKinnon Kreativität als eine Idee, die neu ist und gleichzeitig selten von mehreren Menschen gedacht wird, die jedoch dennoch zu verwirklichen ist und der Verbesserung oder der Veränderung dient.

 

Die kreativen Bausteine

Mel Rhodes, ein amerikanischer Wissenschaftler, gab dem Begriff Kreativität in den 60er Jahren eine bis heute noch immer gültige Unterteilung in vier verschiedene Grundelemente, die so genannten vier Ps der Kreativität. Sie helfen, den oftmals noch diffusen Begriff praxisbezogen zu unterteilen, und umfassen

  • die kreative Person
  • den kreativen Prozess
  • das kreativen Produkt
  • das kreative Umfeld (orig.: press)

Diese Beschreibung hat, aus konzeptionell-beschreibender Sicht, bis heute noch eine fundamentale Bedeutung und wird vor allem im anglo-amerikanischen Sprachraum mit dem Begriff "absichtliche Kreativität" in Verbindung gebracht. Es gab und gibt wiederholte Versuche, die vier Ps um weitere P-Begrifflichkeiten zu ergänzen, die aber bislang weder schlüssig waren, noch sich in der Kreativanwendung durchsetzen konnten. Jüngere Forschungen von Luther zielen auf die systemischen Zusammenhänge der vier Elemente ab und entwerfen ein neues Modell, das die funktionalen Abhängigkeiten deutlicher herausstellt.

 

 

Referenzen [Bearbeiten]

  1. http://visor.unibe.ch/SS00/Bestseller/Folien/kreativitt%20internetversion.pdf
  2. http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/PSYCHOLOGIEORD/Kreativitaet.html
  3. http://visor.unibe.ch/SS00/Bestseller/Folien/kreativitt%20internetversion.pdf
  4. http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/PSYCHOLOGIEORD/Kreativitaet.html
  5. http://www.laum.uni-hannover.de/ilr/lehre/Ptm/Ptm_KreaGrdl.htm
  6. http://www.laum.uni-hannover.de/ilr/lehre/Ptm/Ptm_KreaGrdl.htm
  7. http://www.laum.uni-hannover.de/ilr/lehre/Ptm/Ptm_KreaGrdl.htm
  8. http://visor.unibe.ch/SS00/Bestseller/Folien/kreativitt%20internetversion.pdf
  9. http://visor.unibe.ch/SS00/Bestseller/Folien/kreativitt%20internetversion.pdf
  10. http://www.nume.it/decrea.php
  11. Sozialpsychologie, 4. aktualisierte Auflage, Elliot Aronson, Timothy D. Wilson, Robin M. Akert, Pearson Studium, München, 2004, ISBN:3827370841

 

Dorsch kam 1994 (wie andere Forscher auch) zu dem Schluss, dass Kreativität kein scharf eingrenzbarer Begriff ist, der Raum zur Spekulation bietet. [9].

Entscheidende Impulse erhielt die Kognitions- und Kreativitätsforschung durch die sprunghafte Entwicklung der Hirnforschung durch die Anwendung neuer bildgebender Verfahren, durch die es möglich wurde, Denkprozesse im Gehirn in verschiedenen Arealen genau zu lokalisieren und so voneinander abzugrenzen.

2005 arbeitete Holm-Hadulla heraus, dass kreative Begabungsprofile, Motivationen und Persönlichkeitseigenschaften in verschiedenen Betätigungsfeldern - Kunst, Wissenschaft, Politik und Wirtschaftsleben - höchst unterschiedlich sind.

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 07. Februar 2009 um 18:30 Uhr